Zwei Läden, zwei Gesetze
Seit einem Update am 19. Januar 2026 verlangt Valves KI-Offenlegungsrichtlinie für Steam, dass ein Spiel KI-generierte Inhalte offenlegt, die im Spiel ausgeliefert werden, also Grafik, Ton und Dialoge. Nach demselben Update müssen interne Werkzeuge wie KI-Programmierassistenten, die während der Entwicklung genutzt werden, nicht mehr offengelegt werden. Die Grenze, die Valve gezogen hat, ist präzise: Was der Spieler erhält, wird offengelegt, was das Team zum Bauen genutzt hat, nicht.
Der Epic Games Store zieht keine solche Grenze, denn er hat überhaupt keine KI-Offenlegungspflicht. Epic-Chef Tim Sweeney nannte Valves verpflichtendes Label in einem PC-Gamer-Interview im Juni 2026 unverantwortlich und einen Scarlet Letter, der Entwicklern wirtschaftlich schadet. Er argumentierte, dass ein Spiel für das Sammeln von Wunschlisten auf Steam sein müsse, wo sich das Label dann anheftet und eine Hasser-Community versucht, das Spiel zu töten.
Das Label hat einen Preis
Das Label ist keine neutrale Faktenkarte. Eine Analyse fand, dass KI-markierte Steam-Spiele Berichten zufolge rund 53 Prozent weniger Rezensionen erhalten als vergleichbare Titel, und Rezensionen sind auf der Plattform die Währung für Sichtbarkeit und Vertrauen. Behandle die Zahl als berichtet und nicht als gesichert, die Richtung aber als real: Für einen Teil der Käufer liest sich das Label als Warnung, nicht als Fußnote.
Deshalb ist die Unterscheidung zwischen Inhalten im Spiel und internem Arbeitsablauf die Grenze, auf die es ankommt. Ein Studio kann sich während der gesamten Entwicklung auf KI-Programmierassistenten stützen und trägt dennoch kein Steam-Label, während eine einzige KI-generierte Sprachzeile oder ein Hintergrundbild eines nach sich ziehen kann. Das kommerzielle Signal ist nicht, wie viel KI du genutzt hast, sondern wie viel KI den Spieler erreicht hat, und Valve hat genau diesen Unterschied zum Auslöser gemacht.
Plattformbedingungen sind das echte KI-Regelbuch
Ladenrichtlinien binden ein Studio schneller als jedes Gesetz. Der EU AI Act führt seine Pflichten über Jahre hinweg ein; Valves Regel änderte an einem einzigen Tag im Januar 2026, was du erklären musst, und Epics Schweigen ist selbst eine Haltung. Für eine Studioleitung verschlüsselt die Wahl der Launch-Plattform inzwischen still eine Governance-Entscheidung darüber, wie viel KI-Nutzung du öffentlich zugeben willst.
Der verantwortungsvolle Schritt ist, diese Entscheidung bewusst zu treffen und nicht dem Zufall zu überlassen. Entscheide vor dem Bauen, ob KI-generierte Inhalte im Spiel ausgeliefert werden, was das für einen Steam-Launch bedeutet und ob eine Veröffentlichung bei Epic die Rechnung ändert. Lies die beiden Richtlinien als das geltende Recht, das sie bereits sind, und lass deine Offenlegungshaltung eine Entscheidung sein, die du getroffen hast, nicht eine, die ein Laden für dich getroffen hat.
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